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Hitzeschutz neu gedacht: Wie das luniq in Bremerhaven auf die Zukunft vorbereitet ist
Autor
BIS Bremerhaven
Veröffentlichung
19. August 2026
Hitzeschutz neu gedacht: Wie das luniq in Bremerhaven auf die Zukunft vorbereitet ist | © BIS / Tim David Müller-Zitzke

Wie bleibt ein Gebäude auch bei zunehmender Sommerhitze angenehm und energieeffizient? Das luniq in Bremerhaven zeigt, wie nachhaltiger Hitzeschutz, natürliche Kühlung und eine intelligente Gebäudekonzeption zusammenspielen können. Im neuen Gründungs- und Innovationszentrum am Eingang zum nachhaltigen Gewerbegebiet LUNEDELTA in Bremerhaven wird dabei bewusst auf ein energieeffizientes Low-Tech-Konzept gesetzt.

Nachhaltiges Bauen bedeutet auch: auf Hitze vorbereitet sein

Der Klimawandel verändert die Anforderungen an Gebäude. Heiße Tage und längere Hitzeperioden werden künftig häufiger auftreten. Für moderne Büro- und Arbeitsgebäude stellt sich deshalb zunehmend die Frage, wie Innenräume auch bei hohen Außentemperaturen angenehm bleiben können – und das möglichst ohne einen hohen Energieverbrauch durch klassische Klimaanlagen. Beim luniq wurde der sommerliche Wärmeschutz deshalb von Beginn an in die Gebäudeplanung integriert. Energieexperten und Architekturbüros haben mithilfe thermischer Simulationen untersucht, wie sich das Gebäude unter zukünftigen klimatischen Bedingungen verhalten wird. Dabei wurde unter anderem betrachtet, welchen Temperaturen das Gebäude in den 2040er-Jahren ausgesetzt sein könnte. Das Ergebnis ist ein ganzheitliches Energiekonzept, das natürliche physikalische Prozesse nutzt und mit möglichst wenig zusätzlicher Technik auskommt.

Das Atrium als Herzstück der natürlichen Kühlung

Eine zentrale Rolle übernimmt das über vier Geschosse reichende Atrium im Inneren des luniq. Es verbindet nicht nur die verschiedenen Ebenen des Gebäudes miteinander, sondern unterstützt gleichzeitig die natürliche Belüftung. Das Prinzip dahinter ist einfach: Warme Luft steigt nach oben, während kühlere Luft nachströmt. Dieser sogenannte thermische Auftrieb erzeugt einen natürlichen Luftstrom – vergleichbar mit einem Kamin. Für diesen Effekt wurden im Gebäude gezielt Öffnungen geschaffen. Die Fenster verfügen über spezielle Klappen mit Luftleitlamellen. Zusätzlich können sich im oberen Bereich des Atriums, direkt unter dem Dach, weitere Klappen öffnen. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden kann dadurch warme Luft aus dem Gebäude entweichen. Kühlere Außenluft strömt nach und senkt die Temperatur der Innenräume. Das luniq nutzt damit einen einfachen physikalischen Effekt als Bestandteil seines sommerlichen Wärmeschutzes – ganz ohne energieintensive Kühltechnik.

Low-Tech statt Klimaanlage

Das Energiekonzept des luniq folgt einem bewussten Low-Tech-Ansatz. Wo natürliche Prozesse die gewünschte Funktion übernehmen können, soll möglichst auf komplexe technische Systeme verzichtet werden. Das hat gleich mehrere Vorteile: Weniger Technik bedeutet nicht nur geringere Investitionskosten. Auch der Energieverbrauch sowie Wartungs- und Folgekosten können reduziert werden. Gleichzeitig wird damit ein wichtiger Aspekt nachhaltiger Gebäudeplanung berücksichtigt: Ein Gebäude soll nicht nur bei seiner Errichtung möglichst ressourcenschonend sein, sondern auch während seiner gesamten Nutzungsdauer effizient funktionieren.

Holz und Estrich als thermische Speicher

Neben der natürlichen Belüftung spielt die Gebäudestruktur selbst eine wichtige Rolle beim Hitzeschutz. Das luniq setzt bewusst auf Materialien und Bauteile, die thermische Energie aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben können. Die offene Bauweise unterstützt diesen Ansatz. Unter anderem bleiben die Holzdecken sichtbar und werden nicht durch abgehängte Decken verdeckt. Auch der Estrichboden trägt zur thermischen Speicherfähigkeit des Gebäudes bei. Das Prinzip dahinter: Während des Tages nehmen die Bauteile einen Teil der entstehenden Wärme auf. In den kühleren Abend- und Nachtstunden kann diese gespeicherte Wärme wieder abgegeben und über die natürliche Lüftung aus dem Gebäude geführt werden. So wird die Gebäudemasse selbst zu einem Bestandteil des Klimakonzepts.

Wärmepumpe und Gründungspfähle als Teil des Energiekonzepts

Das Low-Tech-Prinzip bedeutet nicht, dass das luniq vollständig ohne technische Systeme auskommt. Vielmehr werden natürliche und technische Lösungen miteinander kombiniert. Zum Energiekonzept gehören unter anderem eine Wärmepumpe und thermisch aktivierte Gründungspfähle. Das Erdreich kann dabei als Wärmespeicher genutzt werden. Das System lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Temperierung des Gebäudes einsetzen: Wärme kann bei Bedarf dem Erdreich entzogen oder in den Untergrund abgeführt werden. Auch die Fußbodenheizung ist in dieses Gesamtkonzept eingebunden. Auf diese Weise werden Wärmeversorgung, Gebäudestruktur und Energieeffizienz miteinander verknüpft.

Sonnenschutz beginnt bereits bei der Gebäudeplanung

Nicht nur die technische Ausstattung beeinflusst das Raumklima. Auch die Gestaltung der Gebäudehülle trägt dazu bei, wie stark sich Innenräume im Sommer erwärmen. Beim luniq wurden deshalb unter anderem das Verhältnis von Fenster- und Wandflächen sowie die Materialität der Fassade berücksichtigt. Die helle Fassade besteht zu rund 60 Prozent aus Recyclingglas und unterstützt damit den nachhaltigen Ansatz des Gebäudes. Ein klassischer außenliegender Sonnenschutz war aufgrund der hohen Windlasten am Standort nicht umsetzbar. Stattdessen wurde der sommerliche Wärmeschutz über das Zusammenspiel verschiedener baulicher Maßnahmen gelöst. Damit zeigt das luniq beispielhaft, dass nachhaltiger Hitzeschutz nicht aus einer einzelnen technischen Lösung besteht. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Architektur, Materialien, Gebäudestruktur, Lüftung und Energieversorgung.

Nachhaltige Architektur für ein sich veränderndes Klima

Das luniq entsteht am Eingang zum nachhaltigen Gewerbegebiet LUNEDELTA in Bremerhaven. Als Gründungs- und Innovationszentrum soll es Raum für Unternehmen, Start-ups und neue Ideen schaffen. Auch das Gebäude selbst wird dabei zum Beispiel für zukunftsorientiertes Bauen: Eine zirkuläre Holzbauweise, ressourcenschonende Materialien, eine energieeffiziente Wärmeversorgung und ein auf natürliche Prozesse ausgerichteter Hitzeschutz verbinden sich zu einem ganzheitlichen Konzept. Die zentrale Idee lautet dabei: Nicht immer mehr Technik ist die Antwort auf steigende Temperaturen. Oft beginnt energieeffizienter Klimaschutz bereits mit der richtigen Architektur. Das luniq zeigt, wie sich ein Gebäude so planen lässt, dass es mit den klimatischen Herausforderungen der Zukunft umgehen kann – und dabei gleichzeitig einen hohen Anspruch an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Aufenthaltsqualität erfüllt.

luniq - das Gründungs- und Innovationszentrum im LUNEDELTA

Mit dem luniq entsteht in Bremerhaven ein moderner Ort für Gründung, Innovation und Zusammenarbeit. Das Gebäude bietet künftig Raum für Start-ups, junge Unternehmen und innovative Geschäftsideen. Als Teil des LUNEDELTA steht das luniq zugleich für einen neuen Ansatz der nachhaltigen Gewerbeentwicklung: ökologisch, energieeffizient und zukunftsorientiert – von der Quartiersplanung bis zum einzelnen Gebäude. Die Fertigstellung des luniq ist für Ende 2026 vorgesehen, sodass es im Januar 2027 einzugsbereit ist.

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